Soylent ist zum Schlagwort in den Amerikanischen Medien und in weiten Teilen des Internets geworden. Es ist ein Nahrungsersatzmittel - Im Unterschied zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Multivitaminen, Proteinpudern oder sogenannten "meal-replacements" die darauf abzielen einzelne Mahlzeiten zu ersetzen, ist das erklärte Ziel von Soylent so vollständig zu sein, dass man theoretisch sämtliche anderen Lebensmittel aus seinem Menü streichen kann.
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| Hmmmm... Mitagessen. |
Bei dem Wort "Nahrungsersatz" stellen sich vielen Leuten bereits die Nackenhaare auf: Essen ist wundervoll, die Vorstellung darauf zu verzichten für die meisten Menschen ein Graus. Ganz anders sieht das Rob Rhinehart, dessen blog-post How I Stopped Eating Food die Idee popularisierte.
Rob's Geschichte ist schnell erzählt, und es ist eine Geschichte in der ich mich sofort wiedererkannte als ich sie zum ersten mal las. Eines brotloser Programmierer, der sich von typischer Studentenkost ernährt: Eier zum Frühstück, Kantinenfutter zum Mittagessen, und Nudeln mit Tomatensoße am Abend. Nach eigenen Angaben gingen zwei Stunden am Tag und 450$ im Monat für seine Ernährung drauf, und was dabei herauskam war weder besonders Schmackhaft noch gesund. Also startete Rob ein experiment: Die Geburtsstunde von Soylent.
Er verschaffte sich einen Überblick darüber was der menschliche Körper an Stoffen braucht und erstellte eine Liste an Zutaten die alles abdeckten. Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine, Minerale - alles wurde in form von chemisch reinen Pülverchen bestellt und zusammengemixt.
Rob's Soylent ist inzwischen ein käufliches Produkt, dessen sämtliche Bestandteile von der Amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA als "sicher" eingestuft sind.
Viel interessanter ist jedoch, das sich im Laufe von Rob's Nachforschungen im Internet eine aktive Do-It-Yourself-Community gebildet hat, die inzwischen mehrere hundert individualisierte "DIY-Soylent" Rezepte veröffentlicht hat. Rezepte angepasst auf die jeweiligen Bedürfnisse von Leistungssportlern, Bodybuildern, Bürohengsten oder Pfennigfuchsern. Ihnen allen ist gemein das sie in minutenschnelle eine vollständige und gesunde Ernährung bieten.
Warum das Ganze?
In den Worten des Erfinders:I think it would be nice to have a default, healthy no hassle meal. Similar to drinking water most of the time, but wine or beer when you're socializing.
Grob übersetzt: "Ich denke es wäre nett einen gesunden, einfachen Standard zu haben. So wie wir im Alltag Wasser trinken, aber bier oder Wein in Gesellschaft." Für mich ist dies die perfekte Zusammenfassung des absolut größten Vorteils von Essen in Pulverform, auch wenn es darüber hinaus viele weitere gibt. Wenn ich durstig bin kann ich meinen Durst jederzeit durch einen Gang zum Wasserhahn stillen, ohne darüber nachdenken zu müssen was ich trinke, wie gesund oder ungesund dieses Getränk sein wird, und vor Allem ohne es erst zubereiten zu müssen.
Grade im Arbeitsalltag spielt dies eine riesige Rolle, denn kaum einer hat die Möglichkeit in seiner 60-minütigen Mittagspause ein gesundes Mittagessen zuzubereiten. Die meisten essen mitgebrachte Reste des Abendessens vom vergangenen Tag, oder bezahlen teures Geld im Restaurant ihrer Wahl. Günstig, gesund, schnell und lecker: Such dir zwei aus. Wer nicht kochen oder sich gesundes Essen leisten kann, der endet bei BurgerKing oder der Frittenbude an der Ecke; Glücklich schätzt sich, wer Zugang zu einer Kantine hat, auch wenn er dort dann doch meistens matschige Pasta mit aufgeweichtem Brokkoli serviert bekommt. DIY Soylent bietet Freiheit von diesem Zwang zur Dönerbude. Gesundes Essen, das dennoch sowohl schnell als auch günstig ist.Auf einem persönlichen level bietet DIY Soylent die Freiheit sich keine Gedanken mehr um die tägliche Ernährung machen zu müssen, und dennoch sicher sein zu können das die Ernährung alles enthält, was der Mensch so braucht. Dies bietet es vergleichbar günstig, und fast ohne Zeitaufwand.
Der zweitgrößte Vorteil für mich ist die Transparenz und die Flexibilität. Es ist eine noch nie da gewesene Möglichkeit die eigene Ernährung zu kontrollieren und zu perfektionieren. Wenn ich am Ende des Tages das letzte Glas geleert habe, werde ich genau wissen das ich an diesem Tag exakt 2500 Kilokalorien zu mir genommen habe. Wenn ich Gewicht verlieren möchte kann ich einfach die Menge an Kohlenhydraten, Fett und Proteinen um 20% verringern. Wenn ich anfange noch mehr Sport zu treiben erhöhe ich die Werte entsprechend, wenn ich Muskelmasse aufbauen möchte verändere ich einfach das Verhältnis von Protein und Kohlenhydraten. Auch möglich ist es, ein Rezept zu entwerfen das meinen Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen deckt, jedoch nur zwei drittel der täglichen Kalorien liefert. So steht mir täglich eine "freie" Mahlzeit zur Verfügung, bei der ich mir keine Gedanken um Gesundheit und Inhaltsstoffe machen muss.
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| Essen in Pulverform |
DIY Soylent ist ein Weg, Nahrung zu standardisieren und zu modularisieren. Es macht die oft abschreckend komplizierte "Wissenschaft" der gesunden Ernährung so einfach und intuitiv wie einen LEGO-Baukasten.
Die Idee hat darüber hinaus auch gesellschaftliche Implikationen. Zum Beispiel verursacht Essen in pulverform fast keinen Müll. Statt der täglichen Verpackungsberge fällt hier nur alle 3 Monate mal ein Plastikeimer an, in dem 5kg des einen oder anderen Inhaltsstoffes geliefert wurden.
Auch die Lagerung ist unkompliziert: In luftdichten Dosen und an einem trockenen Ort. Kein einziger der Inhaltsstoffe muss im Kühlschrank aufbewahrt werden. Tatsächlich braucht jemand der sich komplett von DIY Soylent ernährt überhaupt keine Küche mehr. Nur fließend Wasser muss sein, zum einen als Zutat und zum anderen zum Spülen des Trinkgefäßes.
Dieser Blog
In den vergangenen Tagen habe bereits die zaghaften ersten Schritte gemacht, um mich auf die DIY-Reise zu begeben. Mit Powderfood möchte ich meine Erfahrungen teilen, zu der wachsenden deutschsprachigen DIY-Community beitragen, und Ratschläge für Anfänger und Interessierte bieten. Zu guter Letzt vielleicht auch noch das Eine oder Andere schreiben zu den gesellschaftlichen Implikationen und den Möglichkeiten, die dieses Experiment eröffnen wird. Fragen und Einwände, Kritiken und Kommentare sind alle herzlich willkommen.


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