08 March 2015

Queal Sample Pack - Review (Teil 1/2)

Vor kurzem berichtete ich von einem Promoangebot des niederländischen Soylentherstellers Queal, der sein "Sample Pack" für kurze Zeit zum Versandkostenpreis anbot. Da ich schon länger vorhatte, mein selbstgemachtes Powderfood mit einer "professionelleren" Variante zu vergleichen habe ich mir Queal's Probepaket sofort bestellt. Von den darin enthaltenen 6 Geschmacksrichtungen habe ich erst zwei probiert, weshalb diesem Review noch ein zweiter Teil folgen wird.

Versand

Bestellt habe ich mein Sample Pack am 20. Februar, der Versand erfolgte laut Queal am 27., angekommen ist es gestern, am 07.03. Insgesamt also eine Lieferzeit von sechzehn Tagen.
Nicht wahnsinnig schnell für einen Versand aus den Niederlanden nach Deutschland, doch es gibt schlimmeres. Was mich viel mehr gestört hat war die Qualität der Verpackung. Mein Paket kam nämlich offen bei mir an:

Das Paket zuzukleben war wohl zu viel Arbeit.
Dies wäre kein Problem wenn zumindest das tatsächliche Produkt ordentlich versiegelt wäre, doch die Probemahlzeiten befinden sich in kleinen Ziploc-Beuteln bei denen nicht erkennbar ist ob sie unterwegs geöffnet wurden oder nicht. Der Empfänger kann also nur hoffen das bei der Niederländischen Post keine Mitarbeiter mit Langeweile oder krankem Humor das Paket in die Hände bekommen haben.

Inhalt

Das Sample Pack enthält einen Brief mit Anleitung zum Mischen, sowie 6 kleine ZipLoc-Beutel mit jeweils etwa 80g Pulver in den folgenden Geschmacksrichtungen:

  • Cool Chocolate
  • Crazy Chocolate Peanut
  • Super Strawberry
  • Funky Forest Fruit
  • Awesome Apple Pie 
  • In Qontrol (Neutral)
Was mich gewundert hat war das Fehlen von Öl-Fläschchen. Die meisten Soylent-Rezepte benötigen einen Ölmix der beim Anrühren mit dazugemischt wird, und der meistens für etwa ein drittel der Kalorien einer Mahlzeit verantwortlich ist. Sind die Flaschen während des Transports aus dem Paket gefallen?

Ein genauerer Blick auf den beiliegenden Brief bestätigt allerdings die Vollständigkeit meiner Lieferung: Beim Sample Pack wurde absichtlich auf die Öl-Beilage verzichtet. Einerseits kann ich das verstehen, anderseits gibt es drei gute Gründe dafür das ich vom Fehlen des Öls nicht begeistert bin: Erstens verwendet Queal (laut ihrem öffentlichen Grundrezept) einen Mix aus Oliven- und Leinöl - beides Öle mit sehr eigenem und intensiven Geschmack. Es gibt daher Grund zu bezweifeln ob der Geschmack des Testpakets dem des tatsächlichen Produktes gleicht.
Zweitens liefert das Öl (wie bereits erwähnt) einen gehörigen Anteil der Kalorien, weshalb die Portionen des Testpakets deutlich weniger füllend und generell "leichter" sein dürften als die Vollversion. Drittens ist das hinzugeben des Öls ein weiterer Arbeitsschritt bei der Zubereitung - Das dieser Schritt beim Testpaket fehlt ist durchaus etwas, von dem ich finde das Queal ihre Neukunden expliziter hätte hinweisen können. Es wird zwar nicht völlig verschwiegen, doch die Erwähnung ist so beiläufig das man es durchaus als wohlwollendes unter-den-Tisch-fallen-lassen betrachten kann. Naja.

All diese Punkte sind für jemanden der schon Erfahrung mit anderen Soylents gemacht hat kein Problem, doch unerfahrene Neukunden dürften eine Überraschung erleben wenn sie sich nach dem Sample Pack das vollständige Produkt bestellen.

Der Geschmack

Wie eingangs erwähnt habe ich bisher erst zwei Geschmacksrichtungen getestet: Das erste war "Crazy Chocolate Peanut", und grade halte ich ein Glas mit "Cool Chocolate" in der Hand. Zunächst etwas allgemeines: Zwei der Hauptbestandteile von Queal sind Hafer und Sojamehl. Beides schmeckt man: Den Hafer mehr beim Trinken, das Soja-Aroma mehr im Nachgeschmack, doch beides ist, zumindest bei den getesteten Schokogeschmacksrichtungen, deutlich vorhanden.

Crazy Chocolate Peanut

Chocolate Peanut hat mich schlicht begeistert. Im Vergleich zu meinem Powderfood ist Queal recht neutral im Geschmack, was so angenehm ist das ich es bei meinen Zukünftigen Versionen definitiv zur Priorität machen werde. Von Schokolade schmecke ich nicht viel, doch die Erdnuss-Note ist deutlich erkennbar, und funktioniert ausgezeichnet mit dem ebenfalls nussigen Sojageschmack. Köstlich.

Cool Chocolate

Von Cool Chocolate bin ich weniger begeistert: Wie bei Chocolate Peanut finde ich hier nicht wirklich eine Spur von Schokoladengeschmack. Das Pulver ist zwar etwas dunkler als der Inhalt der anderen Beutel, für mich schmeckt es nach nichts ausser Hafer und Soja. In diesem Fall würde ich mein eigenes Rezept vorziehen.

Nährstoffgehalt

Nachdem mir die Geschichte mit dem Öl aufgefallen ist, habe ich mir Queal's Rezept ein bisschen genauer angeguckt, und es mal mit den Nährwerten meines eigenen Rezepts verlgichen. Hierzu muss ich kurz einen Aspekt der DIY-Soylent Seite erklären: Der Rechner auf diy.soylent.me bietet die Möglichkeit, ein personalisiertes "Ernährungsprofil" anzulegen, was bedeutet das man die Ernährungsvorgaben der DGE oder der WHO auf den Persönlichen bedarf abstimmen kann. Dies gilt nicht nur was den Kalorienverbrauch betrifft, sondern auch im Hinblick auf bestimmte Nährstoffe wie z.B. Magnesium, deren Bedarf sich bei sportlicher Aktivität erhöht.

Unter jedem Rezept steht das Ernährungsprofil auf welches das Rezept abgestimmt ist. Großartiger Weise bietet die diy.soylent-seite die Möglichkeit einfach sein eigenes Profil auszuwählen, um auf einen Blick sehen zu können wie gut das jeweilige Rezept zu den eigenen Bedürfnissen passt. In der Nährstoffliste wird dann ausgerechnet wieviel Prozent des persönlichen Bedarfs von dem Rezept gedeckt werden.

Ich habe also nachgesehen wie gut Queal zu meinem Nahrungsbedarf passt. Die Antwort ist leider: Nicht sehr gut. In vielen Fällen gibt es nur geringfügige Abweichungen, die ich getrost ignorieren kann. Einige Abweichungen sind allerdings so krass, das ich sie nur als problematisch bezeichnen kann. Hier zwei Screenshots mit den Details; falls es zu klein zum lesen ist könnt ihr die Bilder durch anklicken vergrößern.

Queal mit ihrem eigenen Profil

Queal mit meinem persönlichen Profil

Der unterschied in Kalorien ist egal, das leicht verschobene Verhältnis der Anteile von Kohlenhydrat/Fett/Protein ist ebenfalls kein problem. Vitamin K hingegen ist ärgerlich. Ich habe bei der Erstellung meines Profils die Europäischen mit den Amerikanischen sowie den WHO-Empfehlungen verglichen, und stets darauf geachtet mich so nah wie möglich an das Minimum zu halten, da ich keine Überdosen riskieren wollte. Das viele Rezepte mein Profil deutlich überschreiten ist da nicht verwunderlich. Die Tatsache das Queal von vielem zu wenig enthält hat mich hingegen sehr überrascht. Vor Allem beachtlich sind neben dem Mangel an Vitamin C & K das fast vollständige Fehlen von Kalium, sowie die zu geringen Mengen an Chrom, Calcium und Salz.

Dennoch schießt Queal an einer Stelle deutlich über das Ziel hinaus: Es enthält fast 40mg Eisen pro Tag. Die EU-Empfehlung liegt für Frauen bei 20 und für Männer bei 9mg (Quelle - PDF, ab Seite 183, Tabelle auf Seite 194). 

Vorläufiges Fazit

Der erste Eindruck von Queal war großartig, doch Produkt hat dem tollen Auftritt der Firma leider nicht entsprochen. Von Geschmack und Konsistenz bin ich ziemlich begeistert, doch nach dem ersten Tag überwiegen für mich die Kritikpunkte, vor Allem an dem Nährwert des Pulvers. Ich werde voraussichtlich morgen die restlichen Geschmacksrichtungen testen und mit dem zweiten Teil des Berichts auch ein ausführliches Fazit schreiben.

EDIT: Den zweiten Teil findet ihr hier.

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