In Theorie war es so einfach: Ein bisschen googlen bis ich ein paar Kandidaten habe, dann in der wissenschaftlichen Literatur nachschlagen welche davon tatsächlich was taugen, dann kleine Mengen bestellen für einen Geschmackstest. Zack, schon wäre das Maltodextrin und diverse andere Zutaten durch etwas besseres ersetzt, und bestenfalls wäre der Nachschub da bevor mir meine eigenen Vorräte ausgehen.
Die ersten Schritte haben ganz gut geklappt. Am Dienstag Abend habe ich eine ganze Reihe von Dingen bestellt: Wachsmaisstärke, Sojaproteinisolat, Erbsenproteinisolat, Instant-Haferflocken, Flohsamenschalenpulver, Xantham, und andere Kleinigkeiten. Ebenfalls gerne ausprobiert hätte ich Hanfprotein, aber da selbst der Hersteller mir nicht die genauen Inhaltsstoffe nennen konnte lasse ich erstmal die Finger davon.
Obwohl Bulkpowders.de seine Produkte aus England verschickt, sind die Lieferzeiten angenehm kurz. Besser gesagt: Sie wären kurz gewesen, hätte DPD nicht irgendwo zwischen England und Deutschland bei der Datenübermittlung meiner Adresse aus der Hausnummer 1-3 eine 13 gemacht. Das Resultat ist natürlich das meine Lieferung nicht angekommen ist. "Doof, dann kommt es erst am Samstag," dachte ich, aber weit gefehlt: DPD liefert nur an 5 Tagen in der Woche. Schön für die Mitarbeiter, ungut für mich, denn eigentlich hätte ich dieses Wochenende gerne damit verbracht die neuen Zutaten zu testen.
Noch viel ärgerlicher ist allerdings, das mir mittlerweile meine alten Zutaten ausgegangen sind. Das Resultat meiner Mangelhaften Nachschub-Planung ist, das ich mich die letzten drei Tage der vergangenen Woche wieder vollkommen "normal" ernährt habe. Und ich muss eines sagen: Ich vermisse mein Pulver.
Fast als wäre es Absicht, hat die Mensa diese letzten drei Tage nur wirklich miese Gerichte serviert. Einmal gab es Sojagulasch, was eigentlich ganz lecker ist aber leider in Portionen serviert wird welche zu über 80% aus matschigen Vollkornnudeln bestehen, die mir den Rest des Tages wie etwas totes im Bauch lagen. Am Donnerstag habe ich gar nicht erst auf den Versuch "Mensa" ankommen lassen, sondern habe stattdessen eine andere Imbissmöglichkeit in der Nähe der Uniklinik genutzt - nur um mich danach ähnlich bescheiden und schlapp zu fühlen. Freitag habe ich tatsächlich ganz gut zu Mittag gegessen, habe dafür aber auch knapp zehn Euro bezahlt, und auch nach dieser Mahlzeit wieder das Energietief des "Mittagslochs" genießen dürfen.
Ganz zu schweigen davon das jede diese Mahlzeiten deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen haben als meine Zeitplanung inzwischen vorsieht. Die Flexibilität mein Essen auf drei zehn-minuten-Pausen zu verteilen anstatt eine einzelne, halbstündigen Mittagspause zu machen ist für mich ein unbezahlbarer Vorteil, der es erlaubt meinen Arbeitsablauf im Labor sehr viel stressfreier zu gestalten. Klar bin ich auch bisher immer mal wieder mit meinem Kollegen essen gegangen, aber eben an Tagen wo das ohnehin in den Zeitplan passte. Doch in die Bedrängnis zu geraten an einem vollgepackten Arbeitstag Zeit für mein Mittagessen schaffen zu müssen habe ich lange nicht mehr erlebt.
Das letzte halbe Jahr über habe ich mich so sehr an meine Pulvermahlzeiten gewöhnt das mir kaum aufgefallen ist, wie sehr sich meine Tagesstruktur verändert hat. Ich habe an anderer Stelle schon über diese Vorteile geschrieben, doch mir war nicht bewusst was für einen großen Unterschied es tatsächlich macht. Drei Tage ohne Powderfood haben mir die Vorteile dieser Ernährung so deutlich vor Augen geführt wie noch nie.

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