09 July 2014

Version 1.0 - Ausführlicher Testbericht

Meine Lieferung ist gestern endlich angekommen. Der junge DHL-Mitarbeiter hatte das große Glück mir an der Haustüre zu begegnen, was ihm das Schleppen der Pakete in den vierten Stock ersparte. Die Erleichterung war ihm anzusehen, was auch verständlich ist: Insgesamt waren es knapp über 15kg an Waren. 5kg Natron, 5kg Maltodextrin, jeweils 1kg Kaliumchlorid, Calciumcarbonat und Flohsamen, 2,5kg Proteinpulver und diverse Kleinigkeiten.

Damit ist die Liste leider immer noch nicht vollständig. Was noch fehlt ist zum Einen das Hafermehl - der online-Shop des Händlers war zwischenzeitlich offline und ist erst seit gestern Abend wieder erreichbar - und zum anderen sowohl die Multimineral- als auch die Cholintabletten.







Da ich keine Lust hatte noch eine weitere Woche zu warten habe ich zu Testzwecken das fehlende Hafermehl durch Instant-Haferflocken aus dem Supermarkt ersetzt, was Geschmacklich in etwa auf das Gleiche hinauslaufen sollte. Das fehlende Mineralpräparat kann getrost ignoriert werden, denn da sich die tägliche Menge der drei Hauptzutaten (Protein, Kohlenhydrate, Öl) allein bereits auf über ein halbes Kilo Trockengewicht beläuft, dürften die 2g so einer Tablette geschmacklich kaum ins Gewicht fallen.

Die Zubereitung

Das Abwiegen der Zutaten mit der Waage war völlig problemlos, was allerdings daran liegen könnte das ich als Laborant einige Erfahrung im Abwiegen von Kleinstmengen habe. Der Tablettenmörser funktioniert traumhaft. Die Öle habe ich ebenfalls mit der Waage abgemessen. Das Umrechnen von ml in g ist einfach: Auf der Flasche steht das 100ml 91,3g Fett enthalten, also wird die gewünschte Milliliterzahl einfach mit 0,913 multipliziert. 50ml wiegen 45,7g, was sich mit der Waage kinderleicht und präzise abwiegen lässt.

Das Ergebnis des Vorgangs ist eine Dose mit Öl und eine große Dose mit Pulver, welches ziemlich intensiv nach dem Vanillearoma des Proteinpulvers riecht - So weit, so gut.

Das Mischen

Klumpen, Klumpen, Klumpen
Mit wie viel Wasser das ganze vermengt wird, ist beliebig. Da aber sowohl Konsistenz als auch Geschmack davon abhängen, wollte ich für meinen Testlauf möglichst genau wissen wie viel ich verwendet habe. Ich entschied mich zunächst für 1,5 Liter, drei Messbecher voll. Hier beging ich den Fehler nach Zugabe des ersten Bechers nicht sofort umzurühren; Das Ergebnis waren dicke, zähe Klumpen. Der Versuch die Klumpen dadurch zu lösen dass ich sie mit einer Gabel gegen die Wand der Dose zerdrückte scheiterte spektakulär, und resultierte lediglich in einer fest verklebten Gabel.

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie zäh und klebrig diese Klumpen waren - der Vergleich zu Kaugummi drängt sich quasi auf.

Da es bereits ein wenig spät war um die Nachbarn mit dem dröhnen des Pürierstabes zu malträtieren habe ich das ganze einfach inklusive der Klumpen in den Kühlschrank gestellt, um es über Nacht aufweichen zu lassen. Am nächsten morgen löste der Pürierstab dann das Klumpenproblem, und übrig blieb eine gelbliche, stark nach Vanille riechende, schwarz gepunktete Masse von der Konsistenz eines Milchshakes:


Zeit für die Verkostung.

Das Ergebnis

Das Ergebnis des ersten Geschmackstests sah so aus:


Das Zeug ist süß. Viel, viel, viel zu süß. Der Vanillegeschmack ist beinahe unerträglich intensiv - wie flüssiger Keksteig. Es zu trinken ist möglich, aber nur in kleinen Schlucken mit großem zeitlichen Abstand. Auf keinen Fall etwas von dem man sich einen kompletten Tag lang ernähren kann, von einem Monat ganz zu schweigen.

Die Rettungsversuche

Dass das Rezept grundlegend überarbeitet werden muss war mir hier schon klar. Die folgenden Experimente hatten hauptsächlich zum Zweck herauszufinden ob es eventuell reicht an den Mengenangaben zu schrauben, oder ob es notwendig sein wird das Rezept völlig über den Haufen zu werfen und komplett neu anzufangen.

Der erste Schritt war das Hinzuzufügen von mehr Wasser. Den shake zu verdünnen lindert den Geschmack tatsächlich ein wenig, hat aber auch die Nebenwirkung dass die Flohsamen sich am Boden des Glases sammeln. Die Ansammlung einer der Zutaten als Bodensatz ist natürlich nicht wünschenswert, jedoch weniger schlimm als der Geschmack.

Schritt zwei war das Hinzufügen von Würzmitteln. Ich erinnere mich etwas von Zimt oder ungesüßtem Kakaopulver gelesen zu haben. Von der Zimt-Idee bin ich wenig begeistert - der Shake soll eine alltägliche Mahlzeit werden, kein Weihnachts-Dessert. Kakao scheint mir die bessere Alternative, zumal ich mir gut vorstellen kann das der bittere Geschmack des Kakaos dem Getränk ein wenig seiner Süße nimmt. Im ersten Schritt habe ich mein halb-leeres 0,33-Glas mit Wasser aufgefüllt, im zweiten füge ich nun zwei leicht gehäufte Teelöffel Kakaopulver hinzu. Auch das verbessert den Geschmack des Getränkes erheblich. Noch nicht so sehr das es wirklich in größeren Mengen konsumierbar wäre, aber genug um mir Hoffnung zu geben das meine bisherige Arbeit an dem Rezept nicht völlig umsonst war.

Das Fazit

Geschmack:
Wie bereits erwähnt, viel zu süß. Eigentlich keine Überraschung: Der Hersteller des Proteinpulvers geht bei der Wahl seiner Süß- und Geschmacksstoffe von einer Portion von 30g aus - Mein Rezept enthält das Fünffache davon. Das muss geändert werden. Notfalls werde ich ein weiteres, geschmacksneutrales Proteinpräparat bestellen und die beiden mischen um den Geschmack zu reduzieren.

Konsistenz:
Die Kombination aus Instant-Haferflocken, Proteinpulver und Maltodextrin sorgt für eine tolle, cremige Konsistenz. Das ganze lässt sich mit einem Pürierstab wunderbar mischen. Während viele andere Pulverköche davon Berichten das sich ihr DIY-Soylent in kürzester Zeit absetzt und vor dem Verzehr ständig neu geschüttelt werden muss, bleibt meine Mischung schön homogen. Selbst nach der nächtlichen Lagerung im Kühlschrank waren die Klumpen das einzige was sich in irgendeiner Form vom Rest der Masse unterschied.

Wovon ich überhaupt nicht begeistert bin sind die Flohsamen. Erstens waren sie steinhart, selbst nachdem sie eine Nacht einweichen konnten; zweitens neigen sie sehr dazu zwischen den Zähnen hängen zu bleiben, und drittens bezweifle ich stark ob die Dinger überhaupt verdaut werden. Zum Glück tragen sie ausser Ballaststoffen kaum etwas zum Nährstoffgehalt des Rezeptes bei, es sollte also kein großes Problem sein eine Alternative zu finden.


Fazit des Fazits:

Alles in Allem bin ich recht zufrieden. Keine meiner Sorgen hat sich bewahrheitet. Ein größeres Problem wäre es gewesen wenn das ganze nach Olivenöl geschmeckt oder die Konsistenz von Sandpapier gehabt hätte - Die übertriebene Süße wird sich relativ leicht in den Griff kriegen lassen. Morgen werde ich den Tag damit verbringen ein paar alternative Zutaten zu recherchieren und das Rezept von Grund auf zu überarbeiten, und dann hoffe ich das ich sehr schnell in der Lage sein werde einen weiteren Versuch zu starten.

No comments:

Post a Comment